Seit einiger Zeit ist mein Webcomic bekanntlich von fröhlich-heiter zu bissig-politisch/kritisch gedriftet. Wie kam es dazu? Geht das jetzt so weiter? Geplant war oder ist eigentlich diese Richtung als ein Special bis zur Bundestagswahl. Mittlerweile habe ich aber durchaus großen Gefallen an dieser Richtung gefunden, auch wenn mir die Verknüpfung von Humor, meinem Hausmeister Danny und (politischer) Kritik manchmal mehr als schwer fällt. Mitunter kämpfe ich mich neben dem „normalen“ alltäglichen Stress total ab, nur um unbedingt bis Mittwoch einen weiteren Comic plus Blogtext dazu für euch zu produzieren. Fast immer unterstützt mich mein Bald-Ehemann dabei sehr tatkräftig und die ganz ursprüngliche Idee zu so einem „Projekt“ kam auch von ihm. Dennoch versuche ich meinen Comics auch weiterhin einen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken, langweilig soll es auf keinen Fall werden. Und dann gibt es ja auch noch WOHLSTAND, mein Erstlingswerk, in dem ich ebenfalls Themen wie soziale Missstände behandle.

Warum mach ich den Scheiß eigentlich?
Es ist nicht nur aus zeitlichen Gründen oftmals schwierig und kräftezehrend kritische Comics zu machen. Da ist ja nicht nur die Umsetzung, allein Idee und Konzept für einen Webcomic oder gar ein großes Werk, also Arbeit, die man dem Endergebnis gar nicht mehr richtig wahrnimmt, dauern manchmal länger, als das Handwerkliche. Und dann gibt es auch, wie überall die Tiefphasen. Ich möchte mit meinen Werken aufrütteln, bewegen, andere beeinflussen. Seit jeher habe ich ein starkes Unrechtsbewusstsein, ich habe das Bedürfnis zu meckern, zu motzen, mich aufzuregen, über Missstände, über Unrecht, über Zustände, die nicht sein dürften wie sie sind. Und doch fühlt man sich manchmal wie ein ganz kleines Licht am ewigen Nachthimmel. Es kommt die Frage: „Bringt das, was ich tue eigentlich was?“ Und die ehrliche Antwort ist häufig: „Ich weiß es nicht, mal schauen.“ Keine sehr motivierende Antwort, von Zeit zu Zeit folgt dann die nächste Frage: „Wenn es alles nichts bringt, lohnt es sich denn weiterzumachen?“ Und bisher denke ich: Ja es lohnt sich. Es muss einfach sein, so hart es auch sein mag. ICH WILL ETWAS VERÄNDERN. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe, aber versuchen muss ich es. Ich lebe, ich habe noch Zeit, ich habe noch Energie und Ideen. Solange da draußen Unrecht geschieht, will ich mich dafür einsetzen, dass sich etwas ändert.

Comics als Ausdrucksform?
Ich könnte auch einen reinen Textblog führen, mich mehr politisch engagieren, Demos organisieren und besuchen, Bücher schreiben, Musik machen, Filme drehen, in fremde Länder reisen, Geld spenden, etc. Ich könnte mich mehr trauen. Ich bewundere Menschen, die für ihre Überzeugung Folter, Gefängnis und Tod riskieren. Die es billigend in Kauf nehmen, dass ihr eigenes Leben durch ihren Widerstand gefährdet wird. Und ich sitze hier in meinem relativ sicheren Deutschland und zeichne ein paar Comics. Ist das zu wenig? Muss ich schämen? Was bin ich schon im Vergleich zu solchen Menschen? Ich weiß nicht, ob ich die Klappe aufreißen würde, wenn die Zustände hier anders wären. Protest ist nicht überall leicht. Vielleicht bin ich ein Feigling, aber ich bin ein Künstler. Meine bevorzugte Ausdrucksform sind Bilder mit Text. Bilder, weil ich sie ständig im Kopf habe, Text, um das zu erklären, was die Bilder nicht ausreichend darstellen können. Ich stehe ungern im Mittelpunkt, als Person zumindest, ich schiebe lieber meine Werke schützend vor, damit die aussagen, was meine Stimme sich nicht trauen würde zu sprechen. Damit die von Hand zu Hand gehen und die Chance haben etwas zu ändern. Und wenn es nur geringfügige Dinge sind. Wenn nur einem einzigen durch meine Kunst etwas klar wird, was vorher nicht klar war, wenn nur einmal über etwas diskutiert wird, was sonst nicht oder nicht genug thematisiert würde, wenn nur einer sich aufgerufen fühlt, auch etwas zu ändern, wenn ich nur einmal eine Kettenreaktion auslösen kann, dann hat es sich schon gelohnt.

Ich will andere motivieren:
Sowohl zu meinen kleinen Webcomics, als auch zu WOHLSTAND gibt es positives und negatives Feedback. Es gibt Unterstützer und Fans und es gibt Kritiker. Ich habe als Künstler sicher noch viel zu lernen, ich hoffe auch, dass ich noch nicht das Maximum meiner Fähigkeiten erreicht habe. Dabei soll aber bitte keiner vergessen: Ich will nicht nur etwas schaffen, um damit Geld zu verdienen oder berühmt zu werden oder mich generell gut zu fühlen. Ich möchte auch andere motivieren, das Unrecht in der Welt (was für ein Begriff!) wahrzunehmen und zu bekämpfen. Es muss nicht jeder Comics schreiben, es gibt so viele Möglichkeiten sich auszudrücken und es gibt Medien wie das Internet, um seine Meinung zu verbreiten. Jeder sollte eine Form wählen, die ihm angenehm ist, mit der er sich wohl fühlt gegen Missstände zu protestieren. Probleme gibt es genug und alles lohnt den Einsatz. Zu aller erst. Informiert euch selbst und dann informiert andere. Bildung, Information, Wissen, das sind starke Waffen im Kampf gegen vielerlei Dinge. Seid kritisch, glaubt nicht alles, hinterfragt Dinge, traut euch öfter mal eure Meinung zu ändern. Es ist nicht tragisch mal an das falsche zu glauben, solange man in der Lage ist sich selber zu hinterfragen und sich zu ändern. Und direkt an andere (Comic)-Künstler gerichtet: Traut auch ruhig mal an anspruchsvolle Themen heran, ist gar nicht so schwierig und es muss auch nicht am Ende Graphic Novel drauf stehen. Es ist ein langer, schwieriger Weg, bis sich bestehende Dinge einmal ändern, aber wenn jeder von uns auch nur einen kleinen Beitrag dazu leistet, ist das schon eine ganze Menge.