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Eine grundlegende Idee zu unserem Comic haben wir bereits. Und wir haben nun auch eine Vorstellungen der Möglichkeiten, auf welche Art und Weise wir erzählen können. Kommen wir nun wieder zurück zu der Frage, was wir eigentlich erzählen. Sprich: Wie bauen wir die Handlung im Einzelnen auf? Wie bauen wir Spannung auf? Und wie gehen wir dabei vor?

Zunächst ein paar grundlegende Worte zur Vorgehensweise. Die allererste Idee der Handlung umreiße ich meistens mit einer Art Zusammenfassung, die auch auf der Rückseite eines Comics als Teasertext stehen könnte. Und von da aus arbeite ich mich im Prinzip immer weiter von grob nach fein vor – eine Arbeitsweise, die ich auch bei anderen Arbeitsschritten nutze, wie dem Schreiben des finalen Skriptes, dem wir uns erst ein wenig später widmen werden. Hilfreich ist übrigens nichts von seinem Geschriebenen zu löschen oder wegzuwerfen, falls man später eventuell noch mal einen Blick drauf werfen möchte.

Strukturieren!

handlung-abb2Außerdem kann es hilfreich sein die Handlung zu strukturieren, besonders dann wenn sie etwas ausführlicher ist. Selbst wenn es nur eine grobe Struktur, wie Anfang, Mittelteil, Schluss o. Ä. ist, hilft einem das beim Schreiben der Handlung oft enorm weiter. Oder man teilt alles in Kapitel ein, die mehr oder weniger in sich geschlossen sind. Der Leser kann aber muss von dieser Struktur im fertigen Comic nicht mehr direkt etwas mitkriegen.

Wichtig kann auch sein, dass ihr beim Schreiben der Handlung den tatsächlichen zeitlichen Ablauf der Geschichte trennt von der Erzählung. Wenn zum Beispiel am Ende der Geschichte ein Autounfall passiert, könnt ihr dieses Ereignis auch ganz am Anfang der Geschichte erzählen (ihr erinnert euch ja ans anachronische Erzählen). Daher kann es sinnvoll sein als erstes die Handlung chronologisch aufzuschreiben, um sie in einem späteren Schritt in eine anachronische Erzählung „umzuwandeln“.

Nach dem Schema „von grob nach fein“ arbeitet ihr am besten nach und nach die ganze Handlung ab, von Anfang bis Ende! Ziel ist es am Schluss einen Text, eingeteilt nach eurem Belieben, zum Beispiel Szene für Szene, zu haben, aus dem sich schließlich das Skript, das „Drehbuch“ verfassen lässt. Eine Anmerkung noch: Ab und zu könnt ihr Probleme mit sogenannten „Plotholes“ bekommen, so bezeichnet man Lücken im Plot, d.h. In der Handlung. Wenn ihr zum Beispiel das Ende festgelegt habt, nennen wir das Ende Punkt Z, aber nicht wisst, wie ihr von Punkt X sinnvoll zu Punkt Z kommt. Kein Grund zur Panik, markiert euch das Plothole in eurem Text als eine solche „Lücke“ und überlegt in Ruhe, wie ihr sie füllen könnt. Eventuell durch Änderungen vor Punkt X oder an Punkt Z? Es ist ganz normal, dass der Weg bis zur finalen Festlegung der Handlung etwas dauert, nehmt euch Zeit, erstellt vielleicht mehrere alternative Versionen und überdenkt alles gut.

Was steht im Mittelpunkt der Erzählung?

Noch einmal zurück zum Thema, wovon die Handlung nun eigentlich handelt. Es lohnt sich vor Beginn des Aufschreibens der Handlung zu fragen, was eigentlich der Kern der Sache ist. Seid ihr in der Lage die „Kernaussage“ eurer Story in einem Satz aufzuschreiben? Und wird der Kern dem Leser auch nach Beenden der Erzählung deutlich? Man sollte sich mehr als einmal während der Handlungsentwicklung vor Augen halten, was eigentlich das Thema ist, um nicht den roten Faden zu verlieren oder sich mit Nebenhandlungen zu sehr aufzuhalten. Häufig steht der Konflikt eines Charakters (des Protagonisten) im Vordergrund, diverse Erzählmodelle wie die berühmte „Heldenreise“ etwa sind an diesem Thema entlang aufgebaut. Der „Dreh- und Angelpunkt“ kann freilich auch etwas anderes sein, ein ganz konkretes Thema, ein bestimmter Ort, vieles ist denkbar.

Bekannte Erzählmodelle neben der Heldenreise sind zum Beispiel noch das 3 Akte Modell und das 7-Punkte System, ich werde diese Modelle hier aber nicht ausführlich wiedergeben (wenn ihr mehr wissen wollt, googelt das! ;-)).

Handlungsstränge

Nicht nur eine Handlung ist denkbar, manchmal erstreckt sich eine Erzählung auch über mehrere Handlungsstränge. Manchmal aufgeteilt in Haupt- und Nebenerzählung, ein Andermal fließen vielleicht mehrere, erst parallel erzählte Handlungsstränge gegen Ende zu einer Haupthandlung zusammen? Verschiedene Handlungsstränge können mit andersartigen Erzähltechniken einher gehen, zum Beispiel dem Wechsel der Stimme (des Erzählers) oder auch der Zeit. Um den Überblick über verschiedene Erzählstränge zu behalten, lohnt es sich auch diese zunächst getrennt voneinander aufzuschreiben, jeweils von Anfang bis Ende, und erst in einem zweiten Schritt (sinnvoll) miteinander zu verweben.

Ein Steigen und Fallen, Höhepunkte und Tiefpunkte

Mittel, um gezielt Spannung aufzubauen, erläutere ich später noch einmal gesondert, hier schon mal ein Thema, was auch ein wenig in die Richtung geht: Das Ansteigen und Fallen der Handlung.

Vielen ist sicherlich, zumindest grob, der Aufbau eines klassischen Dramas bekannt. Mit einem Höhepunkt, auch Klimax genannt, etwa in der Mitte, ab dem sich die Handlung wendet und abfällt bis zum Ende, zur Katastrophe.

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Andere Möglichkeiten sind den Höhepunkt erst sehr spät oder ganz am Schluss zu setzen, bis zu dem sich die Handlung immer weiter steigert (hierbei ist es auch eine Möglichkeit den Höhepunkt als „Twist“ zu gestalten, nach diesem die Geschichte plötzlich eine neue Dimension bekommt und alles vorangegangene in ganz anderem Licht erscheint). Auch ein zweiter Höhepunkt ist denkbar.

Das Arbeiten mit Höhepunkten hat für den Leser den Effekt, dass er erfahren möchte, wie sich die Story weiterentwickelt. Auf dem Weg vom Anfang/Aufhänger zum Höhepunkt „verschärft“ sich die Situation meist, um Unklarheit entstehen zu lassen, wie die Situation sich einmal auflösen wird.

Ich persönliche finde das Arbeiten mit Höhepunkten/Wendepunkten hilfreich, sehe bei Comics (und anderen Erzählungen) aber keine Notwendigkeit sich sklavisch daran zu halten. Eine Erzählung sollte auch „aus sich selbst heraus“ in der Lage sein Spannung aufzubauen oder mit selbst entwickelten Erzählmodellen klar kommen. Dennoch ist es gut zumindest die Möglichkeiten zu kennen.

Methoden um Spannung reinbringen

Wir befassen uns bisher mit sehr theoretischen Strukturen zum Aufbau einer Geschichte. Ebenso wichtig ist jedoch auch die emotionale Führung des Lesers durch die Handlung. Dazu gehören nicht nur das Gesamtthema der Erzählung oder die Charaktere, sondern auch das Erzeugen von Spannung. Letzteres lässt den Leser erst „mitfiebern“ und weckt die Motivation die Geschichte bis zum Ende weiterzuverfolgen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zum Umgang mit Spannung, das Arbeiten mit Höhepunkten gehört wie erwähnt auch dazu. Ich möchte hier noch auf weitere Möglichkeiten eingehen.

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1. Spannung erzeugen: Im Prinzip das, was das Arbeiten mit Höhepunkten bewirken soll: Es gibt einen Aufhänger, eine Ausgangssituation, an das sich ein Ereignis anschließt, dass für den Charakter Konsequenzen hat, positive oder negative. Die spannende Frage für den Leser ist hier ob, wann und in welcher Art und Weise die Konsequenzen eintreten, auch wenn das Ausgangsereignis von vorne herein bekannt ist. Meist sind solche Erzählungen chronologisch erzählt.

2. Der Überraschungseffekt: Im Prinzip das Gegenteil vom vorigen Punkt Spannung erzeugen. In diesem Erzählschema wird dem Leser eine wichtige Information vorenthalten, ohne ihn wissen zu lassen, dass diese Information überhaupt fehlt. Das Schlüsselereignis, was man im vorigen Punkt sehr früh erfährt, wird beim Überraschungseffekt erst sehr spät nachgetragen. Die Erzählweise von überraschenden Erzählungen ist daher immer anachronisch, da die Reihenfolge in der die Ereignisse passieren nicht mit der Reihenfolge, in der die Ereignisse erzählt werden, übereinstimmt.

3. Neugierorientierung: Wie auch beim Überraschungseffekt wird dem Leser hier eine wichtige Information vorenthalten. Im Unterschied dazu wird hier jedoch dem Leser suggeriert, dass es diese wichtige Information gibt, er sie nur noch nicht kennt. Hierbei richtet sich die Aufmerksamkeit des Lesers also auf das Ursprungsereignis, was er nicht weiß, während bei spannenden Erzählungen wie in 1. Dieses Ereignis bekannt ist und die (möglichen) Konsequenzen im Vordergrund stehen.

Der Cliffhanger: Auch ein häufig verwendeter Kunstgriff, um Spannung zu erzeugen. Der Ausgang einer Szene an ihrem Höhepunkt wird offen gelassen. So kann zum Beispiel erreicht werden, dass der Leser nach Abschluss einer Episode oder eines Kapitels auch die Motivation hat weiter zu lesen, weil er wissen will, wie die Situation ausgegangen ist.

Es gibt also mehr als nur eine Methode Spannung zu erzeugen, die oft einher mit anderen Mitteln des Erzählens gehen.

TIPP!
Untersucht Erzählungen, die ihr vielleicht gerne mögt, gezielt auf den Aspekt „Handlungsaufbau/Spannung erzeugen“. Spannung wird nicht nur in Thrillern oder Krimis erzeugt, sondern in jedem Genre. Fragt euch jeweils, warum ihr eine Erzählung bis zum Ende weiterlesen wollt und haltet fest, wie die Erzählstruktur funktioniert. Ihr könnt viel daraus lernen. 🙂